Der Club ist immer der Depp

Es gibt bei uns ja über den 1. FCN das geflügelte Wort: Der Glubb is a Depp.
Das zieht sich einfach so durch die Historie und ist quasi Gesetz. Bisher bezog sich das meistens aufs Sportliche. Erinnert sei an den Abstieg nach Meisterschaft, den Abstieg nach Pokalsieg und Europapokalteilnahme oder der unmögliche Abstieg in der Saison 98/99 – die bitterste Stunde aller Zeiten für wohl alle Club-Fans in meinem Alter.

Wenn man keine Probleme hat, so wie aktuell, dann macht man sich bei uns in Franken welche. Das zeichnet uns aus, denn nichts ist für den Franken ärgerlicher, als nix zu meckern zu haben. Nicht umsonst gilt hier ein „Bassd scho“ oder „Goud“ als höchste Anerkennung.

Und darum stehen vor der Club-Verwaltung seit Fukushima Mahnwachen und die lokale Journalie springt darauf an und fordert Stellungnahmen, bzw. die Vertragsauflösung mit Areva.
Areva ist der Haupt- und Trikotsponsor des Clubs und verdient ihr Geld vornehmlich mit dem Bau von Atomkraftwerken. Areva ist auch nicht erst seit Fukushima der Trikot-Sponsor, sondern schon seit fast 3 Jahren. Damals hieß es von eben jener Presse: Atomkraft, naja. nicht schön, aber 10 Mio in 3 Jahren von einem lokalen Unternehmen mit 3.000 Angestellten, da wollen wir mal nicht zu kritisch sein.

Wo sind die Mahnwachen vor Media-Markt und Saturn wo täglich tausendfach Produkte der Kraftwerksbauer Toshiba, Mitsubishi, Hitachi, Siemens und General Electric verkauft werden und den Herstellern direkt Geld in die Kassen pumpen?
Und was würden die lieben Pressevertreter wohl den lieben langen Tag tun, ohne ihr geliebtes iPhone oder iPad, welche – oh hoppla – gespickt sind mit Bauteilen der AKW-Hersteller Toshiba und Hitachi? Fakt ist, in praktisch jedem elektronischen Gerät steckt Technik von Unternehmen, die auch Atomkraftwerke bauen, die einzige Ausnahme bildet witzigerweise Areva.

Vor dem Hintergrund ist die Diskussion sinnlos wie ein Kropf und einfach nur heuchlerisch.
Aber die Saison läuft wohl zu gut – also sucht man sich ein Thema um den Club zum Deppen zu machen.

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Der vergessene Gau und die getriebene Sau

Wir steuern wohl dieses Jahr schon im April aufs Sommerloch, denn… tataaa… die PKW-Maut ist wieder da.
In schöner Regelmäßigkeit wird diese Sau durchs Dorf getrieben und es grenzt schon irgendwie an suizidalen Tendenzen in der CDU, wenn man nach 2 Wochen relativer Ruhe selbst Themen auf den Tisch bringt, die Volkes Seele zum Kochen bringen.
Neu scheint mir der Ansatz zu sein, dass es Maut + KFZ-Steuer gibt. Diese sollte doch bisher immer im Gegenzug abgeschafft werden. Das Modell gibt es immer noch, im iDrive-Sunshine-Tarif für schlappe 365€ im Jahr – leider gibts dazu kein Auto für 1,oo €.
Irgendwie kommts mir so vor, als würde das Thema nur alljährlich auf den Tisch gebracht um den Widerstand zu testen und uns abzustumpfen, damit wir dann bei einer 80€-Maut + KFZ-Steuer sagen: „Puuuh, da sind wir aber günstig davon gekommen“.

Ähnlich verhält sich das ja bei der aktuell hysterisch gefühlten, äh geführten Diskussion um die Zusatzkosten für den Atomausstieg. Womit ich dann auch schon beim nächsten Thema bin.

Unsere Medien sind hinsichtlich Fukushima ähnlich enttäuschend wie die japanische Regierung. Erst werden 24h-Liveticker geschaltet, 1 Monat später finden sich höchstens noch Randnotizen in den Medien zu der weiter vor sich hinstrahlenden Ruine. Der Super-Gau als Alltag, der solange nicht stattfindet bis mal wieder neue Bulletins oder Bilder herausgebracht werden. Recherchierte größere Berichte findet man kaum.
Interessanterweise genügt es ja in Japan, sich für die Schäden nur oft genug zu entschuldigen, für die Umstände die man bereitet hat. Höflichkeit als Kulturgut, das sollte sich weltweit durchsetzen, die Politik hätte ein so viel leichteres Leben.

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RWE klagt gegen Abschaltung

n-tv berichtet knapp RWE zieht vor Gericht. Es geht um die Abschaltung des AKW Biblis A im Zuge des Moratoriums, das unsere Regierung aus der Hüfte geschossen hat. Unter den Eindrücken von Fukushima mutet das mutig (oder besser größenwahnsinnig) und selbstzerstörerisch an – Sympathiepunkte gewinnt RWE in keinem Fall.

Die Chancen für einen Sieg im Rechtsstreit – sofern er denn ausgefochten wird – stehen aber sehr gut für RWE, steht die Begründung für die zwangsweise Abschaltung doch auf tönernen Füßen. Die Anordnung erfolgte unter Verweis auf §19 Abs. 3 des Atomgesetzes. dort heißt es, die Abschaltung kann angeordnet werden wenn Gefahren für Leben, Gesundheit oder Sachgüter bestehen. Ein schöner Gummiparagraph, da diese Gefahr m.E. bei jedem betriebsbereiten AKW gegeben ist. Alle 20-30 Jahre kommt es immerhin sogar zu einem (Super-)GAU. Wie auch immer, es wird schwer das Vorliegen einer akuten Gefahr zu beweisen.

Im Artikel wird übrigens am Rande erwähnt, dass Eon wegen der AKW Isar I und Unterweser auf eine Klage verzichtet. Vor dem Hintergrund des §19 macht das nachdenklich.

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Grüne Wähler Heuchler?

Manchmal kann man sich ja aufregen, auch wenn man sich denkt, ach lass ihn doch schreiben. So geschehen bei dem Artikel Stunde der Heuchler von Johan Schloermann auf sueddeutsche.de.

Was Herr Schloermann nicht verstehen kann, oder will: das Ding wurde doch schon lange vor Fukushima in den Sand gesetzt.

Es war der Tag, an dem DE aus dem Atomausstieg ausstieg. An jenem Tag wurde Deutschland ein großes Stück weit grüner. In BaWü trug King Mappus mit Stuttgart21 und seinem brutalen Vorgehen gegen Wutbürger seinen Teil dazu bei, dass noch mehr Menschen Ihren Wunsch nach „Change“ entdeckten. Und zuletzt natürlich das Drama in Japan, wo uns nicht nur über Nacht wieder klar gemacht wurde, wie gefährlich Atomkraft ist, sondern wie schwer es selbst für eine der fortschrittlichsten und hochtechnisiertesten Nationen ist, einen „Störfall“ wieder in den Griff zu bekommen, wenn alles gegen einen läuft.

Und so versucht sich Herr Schloermann darin das Bild eines Paradoxons zu überzeichnen, das so schlicht nicht existiert. Mit dem Cayenne zum Altglas-Container? Ich sage mal provokativ: warum denn nicht? Liegt doch auf dem Weg.
Unvereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Lebensstil? Ja, sicher. Jetzt, auch in 20 Jahren noch, womöglich für immer.
Aber ist es deshalb falsch, an den wenigen Stellen, an denen man Nachhaltigkeit erreichen kann, endlich mal Gas zu geben? Soll man sich in das Schicksal ergeben und wie schwarz-gelb nichts tun, außer den Strom für das Volk über den Umweg Energikonzerne zu verteuern? In meinen Augen übrigens die dreisteste Steuererhöhung der letzten 25 Jahre…

Wollen wir darauf warten, bis die fossilen Brennstoffe so teuer sind, dass wir ohne AKWs nicht mehr unseren Lebensstil aufrecht erhalten können? Denn Nichtstun bedeutet unausweichlich den Bau weiterer AKWs. Wer jetzt aber den Umstieg wagt entkoppelt sich nicht nur von steigenden Preisen für Öl und Gas, er macht sich auch frei von Atomkraft und Bildern wie aus Tschernobyl und Fukushima.

Aber zurück, warum die gebildete, liberale Mittelschicht nicht brav ihr Kreuz bei schwarz oder gelb – und übrigens auch nicht rot – setzte. In erster Linie hatten die Leute es doch einfach nur satt, zuzusehen wie sich schwarz-gelbe Politiker von der Lobby all zu offensichtlich wiederholt einkassieren lassen. Auch die SPD wird zu sehr mit der Wirtschaft verzahnt wahrgenommen seit sie in die Mitte abgedriftet ist.

Die Wähler hatten auch sicher kein Verständnis dafür, wie Volkes Wille in Stuttgart mit brutaler Obrigkeitsmacht niedergeknüppelt wurde. Ich selbst komme nicht aus BaWü, das Geschehen in Stuttgart und die breite Zustimmung unserer Regierung in Berlin war allerdings niederschmetternd für mich.

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